Ein Tag im Camp

Um 7:30 Uhr werden wir geweckt. Zwei Betreuer kommen in unser Zimmer und wünschen uns ‘Good Morning’. Sie öffnen die Vorhänge und wecken jeden Einzelnen auf. Manchmal singen sie ein Lied auf Englisch, um uns gute Laune zu machen.

Um 8 Uhr
sind wir beim Frühstück. Es gibt ein riesiges Buffet. Man kann sich eine Menge aussuchen, viele Käsesorten und Aufschnitt, Brot, Brötchen, Cornflakes und Müsli. Die Betreuer sitzen immer bei uns am Tisch, und wir sollen nur englisch sprechen. Sie sind oft krass und lachen viel. Finde ich cool.

Um 9 Uhr
geht’s mit Englisch, Teil eins, los. Erst müssen wir in unser Tagebuch schreiben, dann lernen wir gemeinsam. Vieles hatten wir schon in der Schule. Da hatte ich den Stoff aber nicht gecheckt. Gut, dass wir hier alles wiederholen. Mein Freund Jonas ist so alt wie ich, aber er ist in einer anderen Englischgruppe, weil er viel besser ist als ich. Er lernt ganz andere, für ihn neue Sachen.

Um 10:15 Uhr
gibt’s eine Pause. In der Zeit fülle ich schnell meine Wasserflasche auf oder hole Saft. Heute heißt es: „I would like an apple, please!” Manchmal renne ich kurz raus, um Fußball zu spielen, manchmal chille ich in meinem Zimmer.

Um 10:30 Uhr
fängt Englisch, Teil zwei, an. Dieser Teil gefällt mir am besten, weil wir an einem Projekt arbeiten können. Meine Englischgruppe nennt sich ‘The Sharks’ und wir machen einen Abenteuerfilm. Wir haben zusammen das Drehbuch geschrieben und die Filmcharaktere erfunden. Ich spiele einen alten, weisen Typen. Muss den Schatzsuchern sagen, wo sie das Gold finden. Ich sag’ so Sachen wie: „Look for the red star on a green flag” und „Don’t talk to the man with a big moustache.” Es ist voll lustig. Julian und Sarah wollen nicht im Film mitspielen, also kümmert sich Julian um die Kostüme und Sarah ist Souffleuse.

Um 12 Uhr
gehen wir zum Mittagessen. Ich bin Vegetarier, deshalb sage ich den Küchenleuten Bescheid, und sie bringen mir entsprechendes Essen. Am ersten Tag hat uns die Camp-Direktorin gesagt, wir sollten uns bei Problemen immer melden, egal wie groß oder klein das Problem ist. Als ich vergessen hatte, den Küchenfrauen Bescheid zu geben, bekam ich einen Teller mit Würsten. Aber ich wusste, was ich tun musste. Ich hab’s einer Betreuerin gesagt, sie hat mir ein anderes Essen besorgt.
Nach dem Mittagessen ist eine Pause, aber es ist trotzdem viel los. Die Oskar–Bank hat auf und wir können unser Taschengeld holen. Wir können auch umsonst Wasser oder Obst bekommen. Manchmal kaufe ich Eis und esse zusammen mit meinen Freunden. Draußen sind immer Betreuer, oft spielen wir schnell mal Basketball oder Fußball. Wenn wir drinnen bleiben, müssen wir ruhig sein. Die kleinen Kinder schlafen dann manchmal.

Ab 14:30 Uhr
ist Nachmittagsprogramm. Was man da macht, hängt vom Camp ab. Ich bin hier in Verchen, also machen wir am Nachmittag Sport, danach Workshops. Letztes Jahr war ich im Majuwi. Da war ich segeln. In Burg Stargard lernen die Kinder reiten. Nachmittags draußen zu sein, ist immer voll cool. Matt hat uns Baseball beigebracht. Sind alles neue Regeln. Matt hat alles auf Englisch erklärt. Manche Kinder haben nichts kapiert, also hat Matt alles vorgespielt. Voll lustig, denn er ist immerzu hingefallen und hat den Ball ständig fallen gelassen. In den Workshops machen wir Sachen, die wir nach Hause mitnehmen. Ich habe ein neues Batikhemd gemacht. Ich habe auch einen Drachen gebaut, den ich draußen fliegen lassen konnte.

Abendessen ist um 18 Uhr
. Die Betreuer sitzen mit am Tisch und fragen uns über den Tag aus. Ich muss alles in der Vergangenheit erklären, das ist voll schwierig. Aber niemand lacht uns aus, wenn man was falsch macht. Sie sind immer nett zu einem. Ich versuche die gelernte Grammatik anzuwenden, denn es ist cool, wenn wir das gleich ausprobieren, was wir morgens gelernt haben.

Um 20 Uhr
ist Karaoke. Die Betreuer haben einen Saal vorbereitet – wie ein Karaoke Club! Erst wollte niemand singen, und die Betreuer haben für uns gesungen und getanzt. Voll fett! Die haben mit so komischen Stimmen gesungen und ziemlich lustig getanzt. Ganz toll war Stephen, als er „Let Me Entertain You” gesungen hat. Dann wollte jeder singen. Ich habe drei Lieder gesungen und dann eins mit Julia, ein Mädchen hier im Camp, das ich mag. Der beste Song an dem Abend war „Shut Up!” von The Black Eyed Peas.

Um 21:30 Uhr
haben die Betreuer ein Lied gesungen: „Good Night Children.” Wir stöhnen alle, weil wir aufhören mussten und alles voll den Spaß gebracht hat. Die Teens bleiben länger auf wegen ‘Teen Night‘. Die spielen dann Brettspiele oder machen einen Fackelspaziergang. Heute haben die weiter Karaoke gesungen. Nächstes Jahr komme ich wieder, dann bin ich auch Teen und kann länger aufbleiben.

Um 22 Uhr
müssen wir im Bett sein. Die Betreuer kommen in die Zimmer und kontrollieren, dass wir im Bett sind. Manchmal singen die uns wieder Lieder vor. Wenn wir wollen, dass sie endlich aufhören, müssen wir sie auf Englisch höflich darum bitten. Wenn wir nicht auf Englisch fragen, singen sie einfach immer lauter, bis wir endlich richtig fragen!

von Michael, 12 Jahre alt (Camp-Teilnehmer 2006)

   
           
     
 
           
       
           
       
           
       
           
       
           
       
         
 
 
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